Tom auf Kaffeereise in Kolumbien

Aktualisiert: 21. Nov. 2021

Gestern Morgen um 9:45 ging es von unserem berühmt berüchtigten BER los. Der Abschied viel mit nicht schwer, norddeutsches Schmuddelwetter und jetzt schon überlasteter Provinzflughafen mit Direktflügen nur nach Mallorca. Mein Geschäftspartner Michael Tauchert Filmemacher und Regisseur, welcher unseren kolumbianischen Direktkaffee von der Hacienda Misiones non-profit-mäßig vermarktet, sein Sohn Demian ( Fotograf) und ich müssen erst einmal nach Frankfurt ( ein richtiger Flughafen) um dann direkt in die 2600m hoch gelegene kolumbianische Hauptstadt, zu düsen. Vor dem Abflug hatte ich noch überlegt ob ich überhaupt irgend etwas warmes zum Anziehen auf die Reise mitnehmen sollte. Ich entschied mich nicht inkognito zu reisen und streifte mit unserem Logo von Toms Kaffeerösterei versehenden signalroten Kapuzenpullover über. Kaum saß ich im Flieger starrte mich auch schon eine gefühlt 20 Jahre jüngere Lufthansa Stewardess an. Mann, dachte ich ( vor ein paar Monaten die 60 Schallmauer durchbrochen) ich hab noch echte Chancen , exzessiver doppelter Espresso Konsum muss wohl doch jung halten. Irgendwann kam sie zu mir und fragte mich ob ich Tom von Toms Kaffeerösterei wäre- Bingo Treffer meinte ich. Jo, sie sei eine waschechte Berliner Göre und in Zehlendorf, in der Nähe der Ladenstraße am U-Bhf. Onkel Toms Hütte aufgewachsen. Bevor sie dann mit Kind und Kegel in den Rheingau zog war sie praktisch Stammgast in Toms Kaffeerösterei. Die Welt ist eben klein. Jedenfalls hatte ich mal wieder ein Heimspiel und wurde von Helen natürlich bevorzugt behandelt. In Bogota trennten sich unsere Wege und ich flog spät abends, es war jetzt schon 21 Uhr, alleine nach Medellin, einst Drogenhauptstadt der Welt mit einer astronomischen Mordrate. Mittlerweile ist das aber Vergangenheit und Medellin ist 2012 zur weltweit innovativsten Metropole der Welt aufgestiegen. Aufgrund der relativ stabilen Temperaturen zwischen 20-27 Grad nennt man sie die Stadt des ewigen Frühlings. Leider liegt mein Hotel direkt neben einem schrecklichen Vergnügungsviertel, welches auch für mich, wo ich doch in unmittelbarer Nachbarschaft zur Hamburger Reeperbahn aufgewachsen bin, relativ unterirdisch rüber kam! Dafür hatte ich eine wunderbare Nacht über den Dächern Medellins und habe gerade auf einer offenen Dachterrasse gefrühstückt. Jetzt sitze ich im Café Pergamino und trinke einen wunderbaren Café Tinto, kräftiger schwarzer Filterkaffee, so wie ich ihn am liebsten mag. Gleich gehe ich weiter auf Entdeckungsreise und werde weiterhin berichten. Ich hoffe euch gefällt es und ich konnte ein paar Eindrücke rüberbringen. Zum Schluss muss ich aber noch die unglaubliche Herzlichkeit und Lebenslust der Kolumbianer erwähnen. Die steckt an und verleiht mit ein fantastisches Gänsehautfeeling. Also dann hasta luego Amygas y Amigos!







 

Der 2. Tag. Jetleg- erst einmal an den kolumbianischen Rhythmus gewöhnen, immerhin 6 Stunden Zeitunterschied lässt sich nicht so einfach wegstecken. Also erst einmal einen Kaffee trinken. Da bietet es sich doch an den deutschen Kaffeeröster Nicolai in seinem Cafe und Rösterei in Medellin zu besuchen. DDC - "Desarrolladores de Cafe"; bedeutet: "Die Erfinder des Kaffees". Leider ist Nicolai zur Zeit in seiner Heimat - in Nürnberg - schlechtes Timing würde ich sagen. Gabriela, die dort als Barista arbeitet, versteht jedoch einiges in ihrem Fach und kredenzte mir einen leicht fruchtigen vollmundigen kolumbianischen Americano - himmlisch! Übrigens habe ich während meines Besuchs live mit Nicolai in Deutschland telefoniert. Röster halten eben zusammen. Er gab mir einige Tipps und Hinweise für meine Reise durch die Kaffeezone- danke Nicolai. Auf meinem heutigen Spaziergang durch Medellin, bei dem erhebliche Höhenmeter zu bewältigen waren, kam ich auch noch in einem Cafe vorbei im Stadtteil El Tesoro. Dabei zog mich eine Rancilio Espressomaschine auf einem Motorroller an. Es entpuppte sich dann doch als idyllisch gelegenes stationäres Cafe in den Bergen von Medellin an. Auch hier bestellte ich mir einen doppelten kräftigen schwarzen Kaffee. Einfach himmlisch im Ursprungsland den Kaffee zu genießen. Dazu muss man sagen das die Kaffeekultur in Kolumbien, wie auch im restlichen Südamerika noch in den Kinderschuhen steckt. Ich muss sagen, dass das Cafe von Adriana Gutierrez Ramirez es mir wirklich angetan hat. Obwohl die Chicas überaus charmant waren setzte ich meinen Weg fort. Dabei stieß ich auf ein Einkaufszentrum El Tesoro Shopping Park, sorry so etwas habe ich noch nie gesehen- ich einmal in den USA- einfach mächtig gewaltig aber nicht unsympathisch. Da gibt es einfach alles. Dabei ist mir aufgefallen wie kinderlieb die Kolumbianer sind. Von der Rutschbahn, Karussell Spielplätze alles was das Kinderherz höher schlagen lässt. Im Einkaufszentrun traf ich auf einen alten Bekannten, Juan Valdez Cafe, die kolumbianische Antwort auf Starbucks, mit dem einzigen Unterschied das der Kaffee einfach schmeckt. Juan Valdez ist aber noch mehr. Wie ihr euch ja vorstellen könnt machen im Kaffeegeschäft andere als die Erzeuger den großen Reibach. Die kolumbianischen Bauern muss man einfach bewundern- bisher konnten sie mit dem Anbau von Kaffee keine großen Gewinne erwirtschaften. Corona sei Dank das die Preise und damit auch die Erträge der Farmer gestiegen sind und sie dadurch nicht mehr gezwungen sind auf Kokain umzusteigen. Juan Valdez ist eine Kooperation von Kaffeebauern die den Kaffee nicht nur als Rohkaffee vertreiben sondern ihn auch im eigene Land verarbeiten - also rösten. Damit haben sie einen Schritt nach vorne gemacht.

Obwohl ich eine Menge Kaffee getrunken habe bin ich heute ganz schön geschafft - also bis manyana Amigas Amigos, hasta luego, euer Tom





3. Tag,

Sorry aber ich will hier nicht mehr weg. Wenn ich ehrlich bin - und das bin ich meistens - hat es mir in diesem Stadtteil El Poblado nicht so richtig gefallen. Gut das ich mir heute morgen den genauso mehr oder wenig englischsprachigen Jonny, Wachmann oder Consierge, geschnappt habe. Der hat mir nämlich auf Google Maps die Strecke zur Seilbahnstation San Javier im Stadtteil Las Estancias gezeigt. Ich habe mir ja bei meiner Ankunft ein Auto gemietet, welches nun seit 2 Tagen im Parkhaus stand, weil mich die draufgängerische Fahrweise der Kolumbianer ganz schön beeindruckt hatte. Dann besann ich mich jedoch. Wer in Berlin, Paris und sonst wo zurecht gekommen ist der kann es auch in Medellin. Eigentlich ist es ganz einfach- anpassen und aufpassen- auf sich und die anderen. Die Regeln sind fließend- wer auf sein Recht besteht hat schon verloren- das Leben, bzw. das Fahren kann so einfach sein.

Ich komme in eine Gegend die sich auch in Kuba, Argentinien, Peru oder eben in Medellin vorfinden lässt- das ist für Lateinamerika wie es leibt und lebt. Musik, 26 Grad, leichte Briese, Menschen die einen mit ihrer guten Laune, Herzlichkeit und Lebensfreude anstecken- sorry aber hier müssen sehr viele Menschen herkommen- bitte!!!! Wirklich die zaubern dir ein Lächeln aufs Gesicht - unglaublich! Praktisch vor der Station bekomme ich einen super Parkplatz gegenüber einer gut bewachten und bewaffneten Polizeistation - hallo was soll mir da noch passieren. Ticket gekauft und ab in eine Seilbahnkabine. Dort lerne ich Rob und Mattheus aus Florida kennen und ihren Medellin-Guide Andres www.medellinuniquetours.co, welchen ich gleich für nächsten Tag verhafte um mir eine Kaffeefarm in der Nähe von Medellin zu zeigen. Alle Insassen kommen nun bald nach Berlin in Toms Kaffeerösterei - dazu noch ein kolumbianisches Ehepaar. Der Mann hatte vor 12 Jahren in dieser Gegend gegen die FARC gekämpft - unglaublich jetzt ist Frieden und ich genieße die tolle Aussicht auf diese einzigartige Metropole. Wobei ich nicht verschweigen möchte, dass die Häuser bzw. Hütten alle mit Blechdächern versehen sind. Die Seilbahn ist extra für deren Bewohner gebaut worden, damit diese nicht vom öffentlichen Verkehr ausgeschlossen werden, denn zwischen diesen Hütten können keine Busse und auch keine Bahnen fahren - einfach genial und sehr sozial wie ich finde. Ich empfinde die Kolumbianer auch so, immerhin sind zur Zeit über 2 Millionen Flüchtlinge aus Venezueler im Land die auch irgendwie über die Runden kommen müssen. Und das in einem Land in dem viele einheimische auch sehr bedürftig sind.

Nachdem wir uns verabschiedet hatten ließ ich mich durch die Straßen treiben. Ich weiß jetzt was ein Granizado ist, ein Mangosaft mit Salz... schmeckt einfach klasse! Dann bekomme ich im Restaurant/ Bar Rigos von Gloria ein Mittagessen serviert, ich glaube für 3 €, wovon ich jetzt noch satt bin. Yuca, Kartoffeln, Fisch & Advocado.


Reis und eine Gemüsesuppe ein und dann wieder diese Herzlichkeit gratis- wie bei uns Lächeln gratis. Ich schlendere noch ein wenig durch die Gegend und buche mir spontan für die nächsten Tage ein Zimmer im Hotel Laureles Plaza im gleichnamigen Stadtteil El Laureles. Dort werde ich die Rösterei Al Alma besuchen. An dem Stadtteil gefallen mir besonders die großen tropischen Bäume und die coolen sehr offenen Restaurants, Kaffees und vieles mehr. Und natürlich wieder die Menschen. Kaffee habe ich natürlich auch getrunken - in der Panaderia Santa Lena. Dort bekam ich meinen schwarzen Americano in einer edlen feinen Porzellantasse genossen und saß in einem wunderschönen und bequemen Plüschsessel - sorry aber wenn wenn die nicht irgendwann geschlossen hätten, dann würde ich dort noch immer sitzen. Die Rückfahrt in mein Hotel inklusive Latino-Popmusik war der reinste Spass - ich freu mich auf morgen - ich hoffe ihr seid auch wieder dabei- also adios Amigas y Amigos, euer El Tom.




4. Tag

Endlich checke ich aus dem Hotel Diez aus und treffe mich gleich mit Andres dem Guide, welchen ich am Vortag in der Gondelbahn zufällig getroffen habe- und er ist pünktlich. Wie verabredet fährt er vor und hinterher- kampferprobt wie ich bin klebe ich an seiner Stoßstange. Nach einer relativ langen Tunneldurchfahrt kommen wir wieder ans Tageslicht. Wir werden von einer wunderschönen Berglandschaft empfangen.


Wir landen auf der kleinen Kaffeefarm von Carlos Arreros. Vor Ort warten schon eine Gruppe aus Spanien und Panama auf uns. Ich stelle mich als allemanischen Toastador de Cafe aus Berlino vor- alle lachen- läuft! Obwohl ich nur gering der spanischen Sprache mächtig bin verstehe ich natürlich fast alles was er erzählt. Das der Kaffee aus Kolumbien natürlich der allerbeste Kaffee der Welt ist- ist doch klar. Meine Zustimmung hat er. Wir sind hier auf einer Höhe von 1800m. Je höher der Kaffee wächst, desto größer die Bohne und mehr Aroma- ist doch klar- warum? Etwas paradox ist es schon aber weil der Kaffee in dieser Höhe der Sonnenstrahlung im verstärkten Maße ausgesetzt ist werden schatten spendende Pflanzen wie Bananen zwischen die Kaffeesträucher gesetzt. Somit wird die Wachstumsphase gebremst. Auf dieser Höhe können natürlich auch keine Maschinen mehr eingesetzt werden. Auch kann nur zweimal im Jahr geerntet werden. In Brasilien, wo der Kaffee auf 400-700m angebaut wird, wird bis 4 mal im Jahr geerntet und alles läuft nur noch maschinell. Also ich lieb den kolumbianischen Kaffee- erst ist unverwechselbar aromatisch, mit leicht fruchtigen nussigen und schokoladigen Geschmacksaromen- einfach himmlisch. Natürlich erzählt Mattheus auch von den einzelnen Prozessen der Verarbeitung. Es werden nur reife rote Kaffeekirschen geerntet, vom Fruchtfleisch befreit, dann von der Pulpe, einer der Kaffeebohne umgebene Pergamentschicht, und der Trockenphase. da die Kaffeebauern in den letzten Jahren jedoch unter dem niedrigen Rohkaffeepreises gelitten haben, haben sie aus der Not weitere Aufbereitungsarten entwickelt- dazu kommen wir später noch.

Natürlich haben wir den Kaffee dann auch verkostet und zwar wurde der Kaffee mit einer Bodum Kanne, French Press oder wie unsere Zehlendorfer Kunden sagen, Tom ein Pfund Zehlendorfer Mischung, obwohl die Sorte Zehlendorfer Röstung heißt, aber egal, mit der Presskanne zubereitet und bitte auf 8 gemahlen!

Nach meiner Meinung eigentlich die beste Zubereitungsart, weil mit dieser Variante die Geschmacksaromen am besten zur Geltung kommen. Übrigens wird im weitesten Sinne Kaffee auch auf diese Art und Weise verkostet- gecuppt, wie der Fachmann sagt. Dann wurde uns noch ein traditionelles kolumbianische Gericht in Palmenblättern gegart, serviert, Reis, Yucca, Bananen und Kartoffeln- lecker und genau das richtige zum Abschluss und auch gut für meine Figur. Insgesamt eine Runde Sache- unbedingt zu empfehlen. So das war es für heute- denkste. Mein absoluter Höhepunkt- blutdruckmäßig, kam noch. Nachdem ich im Stadtteil Laureles in meinem für die nächsten zwei Tage gebuchten Hotel eingecheckt hatte machte ich mich noch auf meine abendliche Joggingrunde. Dabei habe ich mich doch glatt verlaufen. Aber hier in Kolumbien gibt es kein Problem welches nicht gelöst werden kann- darin sind die Colombianos Weltmeister. Irgendwann konnte ich nicht mehr und stoppte einfach ein Taxi. Da er weder Deutsch, Englisch noch mein Kauderwelsch von Spanisch verstand tippte ich einfach den Hotelnamen in sein Smartphone und zwei Minutus später stand ich unter der Dusche- alles kein Problem- comprende Amigo- hasta luego mi Amigas y Amigos, euer Tom.



5. Tag

Nach dem Frühstück mache ich auf den Weg zur Metrostation Estadio der Line B. Hier ist Bargeld Trumpf. Eine Fahrt kostet so um die 80ct und man bekommt eine Plastikkarte und kann soviel Fahrten dazu buchen wie man möchte. Solange man die Station durch ein Drehkreuz nicht verlässt wird nur eine Fahrt abgebucht. Ich fahre nur ein paar Stationen zur Station Plaza Botero wo die weltberühmten Skulpturen des Künstlers Fernando Botero stehen. Dort warten natürlich alle möglichen Souvenir Kleinhändler wie an jedem Platz der Welt auf Kundschaft. Das ganze verwirrt mich und ich ziehe es vor noch ein wenig mit der Metro zu fahren.



Auf meiner Strecke entdecke ich wieder die Station San Javier, an der ich vorgestern mit der Gondelbahn über den Slums der Stadt geschwebt bin. Dort kehre ich wieder in meinem neuen Lieblingsrestaurant Rigos ein und bestellte bei Gloria, die mich natürlich gleich freudestrahlend begrüßt das Tagesgericht. Heute gibt es Hähnchen was Spanisch Pollio heißt, Reis, Kartoffeln und Salat- davor natürlich noch eine schöne Suppe- alles wie bei Muttern für knappe 3€. Dazu noch eine Jugo- ausgesprochen wie Hugo, ein frisch gepresster Fruchtsaft- ich habe mich für meine Lieblingsfrucht Papaya entschieden. Das ich geplatzt bin wundert mich noch heute. Ich verabschiedete mich von Gloria und versicherte ich das wir uns bald wiedersehen werden. Auf dem Weg zur Metro ließ ich mir noch schnell die Haare schneiden. Alexandro musste wohl extra für mich seine Siesta unterbrechen- jedenfalls wurde ihm hinterhertelefoniert. Ich tippte in meinen Google Übersetzer auf deutsch das ich es nicht so kurz geschnitten haben möchte aber so da ich wieder wie ein ordentlicher Mensch aussehen möchte. Claro, meinte er lachend und machte sich mit einer Leidenschaft an Werk, was mich echt beeindruckte um mir dann für die halbe Stunde 2,50€ in Rechnung zu stellen- sagenhaft mit was für einer Hingabe der seinen Job macht- als ich ihm dann noch einmal die gleiche Summe Trinkgeld gebe sind wir beide glücklich- das Leben kann so leicht sein. Schnell noch bei der Früchtehändlerin meines Vertrauens vorbei und Papaya, Ananas und Maracuja fürs Abendessen kaufen und ein paar Stationen, zu meinem Ausgangspunkt. Ich fühle mich hier schon heimisch- einfach die Carrera 73 bis zur Calle 40 und schon bin ich in meinem Hotel. Da fällt mir ein das ich ja ein paar Tage zuvor die Kaffeerösterei Al Alma in der Gegend entdeckt hatte. Also nahm ich meinen Laptop unter dem Arm und machte mich, immer dem Geruch nach, zu der besagten Rösterei/Cafe. Dort fühlte ich mich sofort heimisch. Der Geruch nach frisch gerösteten Kaffee ist einfach verführerisch und einladend. Das tolle auch an unserem Laden in Berlin Zehlendorf am U Bahnhof Onkel Toms Hütte ist das eigentlich alles was es dort zu kaufen gibt auch noch sehr dekorativ ist. Das herz der Rösterei ist natürlich der Röster, die Röstmaschine. Fast täglich drücken sich die Kinder an unserem Schaufenster die Nasen platt und betrachten die Maschine, die aussieht wie eine Dampfmaschine. Sie regt einfach die Phantasie an.





Dann die Kaffeesäcke aus Jute- aus fernen Ländern über die Weltmeere transportiert. Die Kaffeetonnen in den der frisch geröstete Bohnenkaffee zwischen gelagert wird. Die verschieden Utensilien für die Zubereitung wie italienische Herdkannen, French Press, Porzellan Filter und ganz spezielle japanische von Hario. Alte Handkaffeemühlen wecken bei uns allen ganz heimliche Erinnerung wach. Kurzum- hier könnte ich ewig sitzen bleiben. Ich glaube ich brauche es nicht zu erwähnen aber der Kaffee den ich getrunken habe, war der beste den ich bisher in Kolumbien getrunken habe. Wie bei uns, immer frisch geröstet und frisch gemahlen- nur vom besten. Aber das ist nicht alles. das wichtigste ist die Zubereitung und die absolute Sauberkeit der Maschine. Ich kann den besten Kaffee zur Verfügung haben, das beste Equipment wenn die Maschine nicht jeden Tag penetrant gereinigt und gepflegt wird, dann ist alles für die Katz. Sorry ist musste mich auch eines besseren belehren lassen. Als ich vor ein paar Jahren meinen heute leitenden Angestellten Nicolai einstellte, wunderte ich mich gleich das er genauso leidenschaftlich wie Alexandro der Friseur in Kolumbien, die Maschine mindesten so eine halbe Stunde putzte und wienerte. Sorry meinte ich, sach mal tut das not? Immerhin muss ich das bezahlen. Ja meinte er, das wäre das wichtigste. Wenn die Maschine nicht gründlich gereinigt wird dann schlägt sich das unmittelbar auf den Geschmack des Kaffees nieder- Er wird dann bitter und ranzig. Als ich nach ein paar Monaten merkte wie der Umsatz bei unseren Kaffeegetränken nach oben schnellte, wusste ich das er Recht hatte. Das schöne ist das er das immer wieder an unsere neuen Mitarbeiter weitergibt und diese dann eine ähnliche Leidenschaft dafür entwickelt habe. Und wehe da fängt jemand an zu schludern- das fällt sofort auf und dann gib es Mecker vom Meister!

Ich bin der letzte Gast und geh glücklich in mein Hotel und schreibe noch schnell meinen Blog zu ende. Ich bin ganz schön geschafft und freue mich aber schon auf morgen. Buenos notches Amigas und Amigos euer Tom.


Tag 6.

Nach dem Frühstück heißt es mir einem lachenden und einem weinenden Auge Abschied aus der Stadt des ewigen Frühlings, Medellin, zu nehmen. Trotzdem freue ich mich auf land und Leute auf meiner Tour in den Süden von Kolumbien, in die Nähe von Manziales. Dort habe ich ein Hotelzimmer auf einer Kaffeefarm, der Hacienda Venecia gebucht. 200km liegen vor mir. Das Navi zeigt knappe 5 Stunden an. Wie sich herausstellt werden es 7 Stunden. In Kolumbien lerne ich, Geduld zu haben. Ein Glück überkommt mich schon nach 2 Stunden der Hunger. ich mache an einer Suppenküche auf 1500m halt- direkt am Abhang. Futtern wie bei Muttern ist angesagt- köstlich! Der Wirtin macht es sich Spa? mir beim Futtern zuzugucken und es ist wie immer lustig- auch die andern Gäste sind die ganze Zeit am Schmunzeln- wahrscheinlich ist der Grund mein nicht perfektes Spanisch- bzw. die kleine Brocken, wie Comida (Hunger) Jugo de Pinia (Anasaft Nektar) oder me gustaria pagare( könnte ich bitte zahlen). dabei hilft mir natürlich das google Übersetzungsprogramm.


Wie gesagt in Kolumbien braucht man auf jeden Fall Geduld, Geduld und nochmals Geduld. Immerhin befinde ich mich auf der Hauptstrecke zwischen Medellin und Bogota, trotzdem geht es nur im Schneckentempo voran. auf einer Stecke von ca 50km wird permanent gebaut. Manchmal dürfen wir fahren manchmal der Gegenverkehr- ein System ist nicht zu erkennen. Gott gebe mir Gelassenheit Dinge hinzunehmen die nicht ändern kann und Dinge zu ändern die ändern kann und die Weisheit das eine vom anderen zu unterscheiden. Am Straßenrand versorge ich mich mit Papaya, Ananas und Mango und Mandarinen. Insgesamt so um die 5 kg- sorry ich glaube das hat noch nicht einmal einen Euro gekostet. Als ich zum Auto gehen will kommt ein Colombiano hinter mir her und will irgend etwas verklickern- ich gebe ihm zu verstehen- no entiendo- no comprende Senior. Ich fahre eine Weile bis bei mir der Groschen fällt. Ich hatte sozusagen an einem Doppelstand eingekauft und irgendwie wurde mir jetzt klar das ich bei dem eine Händler alle möglichen Früchte kaufte und eine Mango an Stand daneben- war mir aber gar nicht so richtig bewusst. Also kehrte ich noch einmal um und gab dem Colombino sein Geld und kaufte gleich noch ein paar weitere Früchte- hoffentlich bekomme ich keinen Vitaminnschock. Jedenfalls haben wir beide wieder herzlich gelacht und mein Gewissen war wieder weiß wie Schnee. Irgendwann ging es dann auch schneller voran und ehe ich mich versah bellte es aus meinem Navi rechts abbiegen- sorry da ist ein Feldweg!? Nachdem ich diesen Hinweis ignorierte kam der gleiche Spruch noch einmal einen Kilometer weiter. Diesmal befolgte ich ihn. Ok, ich komme ja vom Land aber solche Wege gibt es dort schon lange nicht mehr. dann fängt es auch noch richtig an zu schütten. Irgendwie komme ich dann aber an. Eine tolle Finca baut sich vor mir auf- eigentlich noch schöner als ich erwartet hatte. Ich werde herzlich und unkompliziert empfangen. Das Zimmer ist noch in einem separaten Gebäude- im gleichen Stil. Eine schöne Veranda in Rot mit Hängematten einer großen offenen Küche, einer Launch und einem langen Flur mit grünen tropischen Palmen. In meinem Zimmer das den Namen einer brasilianischen Kaffee Marke Guaxupe benannt ist die Verandatür weit geöffnet und präsentiert mir einen Blick in ins grüne Hochland- einfach wie gemalt und grandios.



7. Tag

Ich habe eine wundervolle Nacht gehabt- praktisch im Urwald- ehrlich ich habe vor eine paar Monaten den Film von Alexander Von Humboldt gesehen, die Vermessung der Welt und Humboldt und die Neuentdeckung der Welt und ich habe von seinen Reisen durch Südamerika geträumt. Das Bild welches ich ich sehe wenn ich auf meiner Hotelzimmer Terrasse blicke inspiriert mich. Humboldt, ein waschechter Berliner, ist für mich eine absolute Granate. Er hat von 1769-1859 gelebt und hat schon zu seiner Zeit die Umweltzerstörung und sogar den Klimawandel festgestellt. Er hatte echt Ahnung- in seiner Schaffenszeit hat er darüber alles erforscht aufgeschrieben und ausgewertet- das war kein Wischiwaschi. Er war leidenschaftlicher Anhänger der Vereinigten Staaten von Amerika und besuchte nach seiner Südamerikanischen Forschungsreise 1799-1804 den damaligen amerikanischen Präsidenten im noch im Rohbau befindlichen Weißen Haus- Hallo?! Der war wiederum begeisterter Humboldt Fan. Trotzdem prangerte er bei seinem Besuch die Sklaverei und die Abholzung der Wälder für den Eisenbahnbau und die Gewinnung von Kohle und Erz, an. In Wikepedia steht dazu:

„Ohne Zweifel ist die Sklaverei das größte aller Übel, welche die Menschheit gepeinigt haben, sei es, dass man den Sklaven betrachtet, wie er seiner Familie in der Heimat entrissen und in die Schiffsräume eines für den Negerhandel zugerichteten Fahrzeugs geworfen wird, oder dass man ihn als einen Teil der Herde schwarzer Menschen, die auf dem Boden der Antillen zusammengefercht wird, betrachtet.

Da ich mich ja auf der Hacienda Venecia, einer Kaffeefarm im kolumbianischen Hochland (1400m) befinde und ich Kaffeeröster bin, ist unser Thema heute also Kaffeeanbau und Aufbereitung. Es gibt 124 Wild Kaffee Arten. Kultiviert und die heute bekanntesten sind die Arabica und die Robusta Pflanze und deren verschiedene Sorten und Varitiäten.


Vom Einpflanzen des Samens bis zur Ernte der ersten Kaffeebohnen vergehen 1-2 Jahre. Nach fünf Jahren erreicht die Pflanze ihre höchste Ertragskraft und wird dann alle fünf Jahre- bis zu 5 mal einen Cut. Kolumbien ist nach Brasilien und Vietnam der 3. größte Kaffeeproduzent der Welt. In ca 50 Länder wird Kaffee angebaut- immer nahe des Equators. Dort herrscht immer eine stabile Temperatur zwischen 20-20 Grad. Dort wechseln Sonne und Regen in einer natürliche Folge - ideal nicht nur für den Kaffeeanbau. Hier gibt es ein eine Vielfalt die mich demütig und ein wenig traurig macht. Das darf nicht zerstört werden- ich hoffe das sich die Natur nicht nur hier erhalten wird.



Dadurch das Kolumbien viermal so groß wie Deutschland ist und so viele verschiedene Klimazonen hat ist das ganze Jahr Erntezeit. Das ganze Jahr hindurch gibt es erntefrischen Kaffee, welcher natürlich zum größten Teil nach Europa und Nordamerika exportiert wird. Die Kaffeefarm Hacienda Venecia baut Kaffee auf einer Fläche von 250ha an und erntet ca 600t jährlich. Die Kaffeekirschen werden hauptsächlich nass aufbereitet. Da heißt das Fruchtfleisch inklusive Pulpe (eine Hautschicht innerhalb der Kirsche) entfernt und getrocknet. Dann wird eine weitere Pergamentschicht maschinell entfernt und der Kaffee nach größer der Kaffeebohne und Qualität selektiert. Das wird hier auch maschinell zum Teil mit Lasern erledigt. Bei der trockenen Aufbereitung wird die Kaffeekirsche in großen sogenannten Betten in der Sonne getrocknet bis die getrocknete Fruchtschicht inklusive Pulpe und Pergamentschicht von alleine abfällt. Das ist natürlich zeitintensiver.

Zu gute wird der rohe Kaffee in Säcke verpackt und geht meist per Schiff über den Ozean in die o.g. Länder.



Insgesamt war der heutige Tag wieder eine Runde Sache und ich habe mal wieder dazugelernt und meinen Horizont noch mehr erweitert. Gleich gibt es der Hazienda Lunch und heute Abend Dinner, alles natürlich sehr sehr lecker und landestypisch. Ich hoffe euch hat es auch gefallen- morgen fahre ich zum Parque del Cafe in der Nähe der Stadt Montenegro- ich bin gespannt und werde weiterhin berichten- buenos tardes und hasta luego, euer Tom


8.Tag

Heute fahre ich weiter Richtung Süden- Kaffeedreieck, Kaffeezone oder auch Kaffeeachse genannt- Weltkulturerbe. Die Kaffeepflanze kam durch einen Geistlichen 1808 über die französischen Antillen und Venezuela nach Kolumbien und wurde dort aufgrund der geographischen Lage und den dortigen klimatischen Bedingungen zur Erfolgsgeschichte. Die Kaffeezone erstreckt sich ca 200km westlich von Bogota zwischen Medellin und Cali in der Andenregion auf einer Höhe von 1200-2000m. Übrigens unsere kolumbianischen Varietäten, Colombia, Castillo Java und Gesha von unserem Direktfarm Hacienda Misiones liegt auch in dieser weltberühmten Kaffeezone. Auf meiner Fahrt von Manziales nach Selento fahre ich praktisch direkt durch die Kaffeeplantagen- überall Kaffee- ich bin in meinem Element. Ich hatte vor meiner Reise den Tip bekommen unbedingt im Cafe Jesus Martin in Selento vorbeizuschauen, was ich natürlich auch mache. Das Cafe liegt in einer Seitenstraße des sehr touristischen Ortes. Hier dreht sich alles um Kaffee. Klar gebe ich mich als Kaffeeröster aus Berlin zu erkennen. Klar ist auch das sie mir gerne ihren Rohkaffee verkaufen möchte. Schnell werden wir uns einig das sie uns ein paar Proben über unseren kolumbianischen Farmer zusenden werden. Was für eine Varietäten wir denn bevorzugen werde ich gefragt. Er muss schmecken antworte ich und nachhaltiger Anbau wäre auch noch wichtig. Wie ich jetzt erfahren habe ist die nasse Aufbereitung nicht gerade umweltfreundlich weil dort Unmengen Wasser benötigt werden- also trockene ungewaschen Aufarbeitung. Die Chefin läßt sich noch mir ablichten und ich verabschiede mich- hasta luego Seniorita. Dann besteige ich noch den Aussichtspunkt auf über 2000m Höhe und gönne mir oben angekommen noch einen frisch gepressten Bambussaft. dann mache ich mich wieder auf die Socken. 100km Fahrt in mein Hotel in Ibague liegen noch vor mir. Ein Glück das ich dafür 3-4 Stunden eingeplant habe. Wie ich schon in den letzten Berichten erwähnt hatte geht es hier im Hochland nur im Schneckentempo voran- hat aber doch auch etwas gutes- eine Diskussion wie bei uns über Tempo 130km/h erübrigt sich. Ich hatte heute 32,5 durchschnittliche Geschwindigkeit. Als ich gegen 18.00 Uhr ankomme bin ich ganz schön fertig- aber ich schaffe es noch etwas zu essen und diesen Bericht zu schreiben, buenos notches, euer Tom


9.Tag

Heute wird es für mich so richtig spannend. Michael Tauchert, der Dokumentarfilmemacher, von dem ich euch erzählt habe erwartet mich auf der Hacienda Misiones , Mesitas del Colegio, Cundinamarca. Wie ich dann bei meiner Ankunft erfahre ist die Farm 1000ha groß. Er erwartet mich an einem roten Tor am Ortsausgang von El Triunfo. Auf der Fahrt von Ibague zur Hacienda Misiones file mir schon auf das es insgesamt flacher wurde und die Straßen und die gesamte Infrastruktur immer besser wurden. Teilweise bin ich schon durch Gegenden gefahren die schon sehr heruntergekommen - ja geradezu verwahrlost erschienen. Das was doch schon ziemlich deprimierend. Als ich doch in die Provinz Cundinamarca kam veränderte sich einiges. Als ich jetzt auf die Hacienda Misiones kam wurde ich geradezu euphorisch- sieht ja aus wie in Bayern oder der Schweiz- alles sehr sehr aufgeräumt und trotzdem natürlich. Wie ich erfahre gibt es alleine hier auf der Farm vier verschiedene Klimazonen. Wir befinden uns auf einer Höhe von 1400-1800m. Michael Tauchert macht erst einmal einen Stop und zeigt mir die alte Kaffee Aufbereitungsanlage, auch Benficio genannt- nicht mehr in Betrieb aber liebevoll restauriert. Die Anlage wurde vom Großvater des heutigen Inhabers der Farm, Luis Fernando Lloredo um die Jahrhundertwende in Betrieb genommen. Damals war die Anlage, die auch heute noch vollkommen betriebsfähig ist, sehr modern und fortschrittlich. Übrigens kam der Strom damals und auch heute aus dem eigenen Wasserkraftwerk- absolut Co2 neutral! 600 Tonnen Kaffee erwirtschaftete wurden damals auf der Farm produziert. Die Ernte, das sogenannten Picken geschieht auch heute nur nur mit Handarbeit. Allerdings werden heute nur noch 25 Tonnen produziert. Damals wie heute werden Maultiere zum Transport der Kaffeesäcke zur neuen Aufbereitungsanlage eingesetzt. Noch eine Besonderheit ist das die Säcke nur 35kg schwer sind, anstatt wie üblich 70kg. Der Grund ist das die Säcke sonst zu schwer für die Tiere wären. Bis zum Jahre 1972 gab es ein Agreement zwischen den USA und den kaffeeproduzierenden Ländern über eine Festpreisgarantie auf hohem Niveau. Ab dieser Zeit wurde der Preis freigegeben und die wirtschaftliche Situationen veränderten sich nicht zum Guten. Als dann im Jahre 1996 der Bürgerkrieg auch die Hacienda Misiones erreichte und Guirillia Kämpfer die Farm beschlagnahmten, war es komplett vorbei mit der Produktion. Erst 2005 konnten die Besitzer die Farm, welche aus unerklärlichen Gründen von der Zerstörung bewahrt wurde, wieder aufnehmen. Da der Vater von Lius Fernando

zwischenzeitlich gestorben war übernahm er die Farm, auf der heute nur Kaffee sondern auch allerhand tropische Früchte angebaut werden. Auf der Farm wird alles sehr nachhaltig angebaut- es gibt sogar eine eigen Regenwurmstation. Es wird sehr viel herumexperimentiert. welche Kaffeesorte wächst auf welcher Höhe in der und der Klimazone am besten. Ich werde von Luis Fernando, Michael Tauchert, dem Ornithologe Camello und einigen Archaeologen, welche gerade 12000 Jahre alte Schriftzeichen auf Findlingen erforschen. Ups- als ich dann auch noch erfahre das Alexander von Humboldt hier durchgekommen ist, bin ich komplett geplättet. Der Ornithologe berichtet das es hier 120 verschieden Vogelarten gibt. Nächsten Tag nimmt er uns zu eine Exkursion mit- sorry aber das war ein einzigartiges Erlebnis. Ich bin ehrlich gesagt ein wenig stolz das wir gerade von dieser Farm seit 6 Jahren Direktkaffee beziehen. Außer uns macht die u.a. auch ein dänischer Röster. Dieser machte den Deal unter anderem auch davon abhängig, dass der nachhaltige Anbau und die sozialen Leistungen an die ca. 40 fest Beschäftigen und zeitweise bis zu 60 Erntehelfer, zertifiziert werden- was auch geschah. Hier geht alles mit rechten Dingen zu und dazu noch mit viel Liebe, das spürt man einfach.


Bei uns in der Rösterei verkaufen wir ja zur Zeit drei Varietäten von der Hacienda Misiones: Castillo: mittelkräftig, süß fruchtige Aromen, säurearm und weich, Colombia: Es hat den klassischen Karamell- und Schokoladengeschmack mit einem Hauch von Kirsche, angenehm süß, hell und vollmundig mit einem angenehmen und cremigen Geschmack. Geisha: Gesha ist eine der gefragtesten Kaffeesorten weltweit, die bei Kaffeeauktionen astronomische Preise hervorgebracht hat. Wir können diesen Kaffee zu einem erschwinglichen Preis anbieten, der Ihrem Geldbeutel nicht schadet. Dieser teeähnliche Kaffee duftet mit einem unverwechselbaren Profil und duftet nach Jasmin, Orangenblüten, Bergamotte-Noten und zarten Blumen. Da unser Ziel ist immer mehr direkt gehandelten und nachhaltigen Kaffee anzubieten und wir mit der Hacienda Misiones einen Partner gefunden haben wo das alles passt, werden wir unser Angebot in diesem Bereich auch noch erweitern. Den heutigen Tag habe ich erst einmal damit verbracht mir die Geschichte der Hacienda Misiones, vom Besitzer Fernando erzählen zu lassen. Morgen werde ich die Farm besichtigen und mir die Produktionsabläufe erläutern zu lassen. Insgesamt bin ich ein wenig überwältigt von der Größe und dem hervorragenden Zustand der Farm- dazu kommt noch die gesamte Atmosphäre, die Höhe, die Luft, das Zirpen der Insekte, das Zwitschern der Vögel, das Hochland, der tropische Regen, das frische kräftige Grün der Pflanzen, die Herzlichkeit der Menschen, die Gastfreundlichkeit- sorry aber das muß ich erst einmal verarbeiten- Buenos notches, euer Tom


10.Tag

Buenos dias- ich bin ein wenig aufgeregt. Heute besuche ich die farmeigene Grundschule. Dort werden die Kinder der Familien, die auf der Hacienda Misiones beschäftigt sind, unterrichtet. Wir haben letztes Jahr, wie schon ein Jahr davor, zu Weihnachten, pro verkaufte 250g Hacienda Misiones Kaffee und Espresso, ein Euro gesammelt. Unsere Kunden mußten nicht groß davon überzeugt werden und machten reichlich mit. So kamen wieder 500€ zusammen. Noch einmal Danke für die Spendenbereitschaft. Und glaubt mir- bzw. guckt euch die strahlenden Gesichter an- dafür bracht man keine Worte. Klar- den Kindern auf der Hacienda Misiones geht es gut- ein Glück. Trotzdem ist die Landbevölkerung in Kolumbien nicht gerade vom Wohlstand gesegnet- obwohl ich den Eindruck habe das viele Menschen hier glücklicher sind als bei uns. Aber das ist mein persönlicher Eindruck. ich muß unbedingt Spanisch lernen- ich würde da gerne mehr erfahren. Jedenfalls meint Michael Tauchert zu mir ich soll mich mal ein wenig fein machen- die Kinder sind schon in der Schule und haben ihre Sonntagssachen angezogen. Dem komme ich natürlich nach- ich möchte bei den Kindern natürlich einen guten Eindruck hinterlassen. Michalel Tauchert, der perfekt und fließend Spanisch spricht übersetzt alles. Außerdem ist er ja professioneller Kameramann und Fotograf und dokumentiert alles. Der Lehrer, Alfredo Andres Rueda Rico und die Kinder empfangen uns in ihrem Klassenraum. Die Kinder von 5-13 Jahre empfangen und mit großen Augen. Sie schauen ein wenig verwundert über meine für sie vermutlich sehr fremde klingende deutsche Aussprache. Ich stelle mich vor und erzähle ihnen etwas über den Grund meines Besuches. Dann zeige ich ihnen mit meinem Laptop einen kleinen Film über unsere Kaffeerösterei in Berlin Zehlendorf. Auf einer Weltkarte zeige ich ihnen wo Berlin liegt und das ich fast 10000km weit geflogen bin um ihnen das Geld für ihren neuen Schulfernseher persönlich bringen wollte. Und natürlich grüße ich sie auch von unseren Kunden, welche den Kaffee von der Hacienda deshalb gekauft haben und weil es der beste Kaffee der Welt ist.

Ich erzähle ihnen das ich auch auf einem kleine Dorf in eine Schule gegangen bin in der teilweise auch nur 10-15 Kinder verschiedener Altersklassen in einem Klassenraum unterrichtet wurden und das es eine wunderschöne Kindheit war und das sie im Gegensatz zu mir immer schön fleißig sein sollen und auf ihren Lehrer hören. Ganz ehrlich, dass alles hat mich sehr sehr berührt. Wir werden die gleich Aktion natürlich auch in diesem Jahr durchführen. Jeden von den Kindern hat mir noch einen kleine Brief geschrieben- sorry aber das ging mit echt unter die Haut. Als wir uns verabschiedeten haben die Kinder auf dem Betonsportplatz mit einem kleinen kaputten Ball Abwerfen gespielt. Dabei ist bei mit und Michael sofort die Idee entstanden von dem Geld der nächsten Aktion Sportgeräte und Netze für die Tore zu besorgen. Klar sind bei mir gleich Kindheitserinnerungen aufgekommen. Wir haben als Kinder auch mit allem gespielt was noch ansatzweise wie ein Ball aussah und wie haben es auch überlebt. Trotzdem können wir vielleicht ein wenig dazu beitragen das es Menschen aus einem anderen Kontinent, denen es ökonomisch wesentlich besser geht und die die viel bessere Bildungschancen haben, auch an sie denken und sie unterstützen. Ich habe mich auf jeden Fall dazu entschlossen unsern Weg der Nachhaltigkeit und des Fairen Handels, weiter zu gehen. Ich glaube gerade im Kaffeegeschäft besteht die Möglichkeit dies auch voranzutreiben. Wenn man einmal gesehen hat wie liebevoll und sorgsam die Kaffeebauern Bohne für Bohne behandeln und das der Anbau und die Erträge ihre ganze Existenz sind und das sie in der Lieferkette am wenigsten vom Kuchen ab bekommen, dann muss uns einfach klar sein, das das unverhältnismäßig ungerecht ist. Toms Kaffeerösterei hat sich auf jeden fall dazu entschlossen den Bauern der Hacienda Misiones nicht nur einen fairen Preis zu zahlen, sondern fast das doppelte des derzeitigen Weltmarktpreises. Übrigens im Gegensatz zum Fairtrade Kaffee. Die Kaffeehändler mit dem Fairtrade Siegel verpflichten sich, 30ct über Weltmarktpreis je kg zu zahlen. Dazu kommt noch das nur 30% Kaffee aus fair gehandeltem Kaffee in einer Packung drin sein müssen, um sich Fairtrade zu nennen. Ich finde das ist nicht nur unfair sondern ma könnte es auch Betrug nennen. So jetzt heißt es jedoch Abschied nehmen. Mir fällt es nicht leicht diese kleine Paradies zu verlassen- ich habe mich hier schon fast heimisch gefühlt und beschließe natürlich wieder zu kommen. Aus den einplanten 2,5 Stunden Autofahrt nach Bogota werden 5 Stunden. Bogota liegt 2600 m hoch- die Luft wird immer dünner. Wir landen in einem schönen Stadtteil Usaquen und fallen nach dem Essen in einem schönen offenen restaurant sofort ins Bett. Buenos notches euer Tom.



11.Tag

Heute stehen noch ein paar Kaffeeröstereien auf dem Programm. Erwähnenswert wären eigentlich alle Röstereien, würde aber den Rahmen sprengen. Dazu möchte ich noch vorausschicken das die Kolumbianer es in den letzten Jahren wirklich gut machen ihren Kaffee zu vermarkten. Vermutlich hat der niedrige Weltmarktpreis für Rohkaffee deer letzten Jahre dazu beigetragen kreativer zu werden und den Kaffee im eigenen Land zu rösten und die Gewinne die in Nordamerika und Europa- neuerdings auch in Asien gemacht werden, selber zu erzielen. Dabei machen die Colombianos das richtig gut- ganz besonders in der Präsentation und der Zubereitung sind sie absolute Profis. Da gibt es alles was das Kaffeeherz begehrt, vom Filterkaffee mit der Chemix , Frenchpress und natürlich klassisch mit der Siebträger Espressomaschine Espresso, Flat White, Latte und Cappuchino. Ganz in der Nähe unseres Hotel finden wir die Kaffeerösterei und Cafe Colo Colo. Da fällt mir besonders die offene Bauweise ein, viel Licht und im Cafe stehen richtige große Straßenbäume. Obwohl man glaubt drinnen zu sitzen- sitzt man auch draußen, weil das das Gebäude nur halb bedacht ist. Dort gibt es natürlich auch den w.o. beschriebenen Kaffee und alle möglichen Leckereien, wie Kuchen, Sandwiches, und Früchtemüsli. Alles für eine kleinen Taler. Obwohl wir hier in einer " besseren Gegend" sind, kostet der Kaffee nie mehr als 1€. Fast überall ist es üblich Wifi und die Speisekarte per QUR-Code zu scannen. Auch Essen gehen ist aufgrund der galoppierenden Inflation, super günstig. Michael Tauchert und ich waren heute in einem absolut angesagten Fisch Restaurant im Zona K essen. Wir haben von der Vorspeise bis zum Dessert und Getränken nichts ausgelassen. Die Rechnung betrug zum Schluß 43€, inkl. 10% Trinkgeld. Das war mein letzter Tage in Kolumbien, morgen geht es wieder zurück nach Deutschland- ich hoffe euch hat mein Reisetagebuch gefallen. Samstag bin ich wieder im Laden. Ich hoffe ich konnte einige südamerikanische Energie auf euch übertragen. Also hasta luego, bis bald euer Tom.





159 Ansichten8 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen