Tom auf Kaffeereise in Kolumbien

Aktualisiert: 2. Nov.

Gestern Morgen um 9:45 ging es von unserem berühmt berüchtigten BER los. Der Abschied viel mit nicht schwer, norddeutsches Schmuddelwetter und jetzt schon überlasteter Provinzflughafen mit Direktflügen nur nach Mallorca. Mein Geschäftspartner Michael Tauchert Filmemacher und Regisseur, welcher unseren kolumbianischen Direktkaffee von der Hacienda Misiones non-profit-mäßig vermarktet, sein Sohn Demian ( Fotograf) und ich müssen erst einmal nach Frankfurt ( ein richtiger Flughafen) um dann direkt in die 2600m hoch gelegene kolumbianische Hauptstadt, zu düsen. Vor dem Abflug hatte ich noch überlegt ob ich überhaupt irgend etwas warmes zum Anziehen auf die Reise mitnehmen sollte. Ich entschied mich nicht inkognito zu reisen und streifte mit unserem Logo von Toms Kaffeerösterei versehenden signalroten Kapuzenpullover über. Kaum saß ich im Flieger starrte mich auch schon eine gefühlt 20 Jahre jüngere Lufthansa Stewardess an. Mann, dachte ich ( vor ein paar Monaten die 60 Schallmauer durchbrochen) ich hab noch echte Chancen , exzessiver doppelter Espresso Konsum muss wohl doch jung halten. Irgendwann kam sie zu mir und fragte mich ob ich Tom von Toms Kaffeerösterei wäre- Bingo Treffer meinte ich. Jo, sie sei eine waschechte Berliner Göre und in Zehlendorf, in der Nähe der Ladenstraße am U-Bhf. Onkel Toms Hütte aufgewachsen. Bevor sie dann mit Kind und Kegel in den Rheingau zog war sie praktisch Stammgast in Toms Kaffeerösterei. Die Welt ist eben klein. Jedenfalls hatte ich mal wieder ein Heimspiel und wurde von Helen natürlich bevorzugt behandelt. In Bogota trennten sich unsere Wege und ich flog spät abends, es war jetzt schon 21 Uhr, alleine nach Medellin, einst Drogenhauptstadt der Welt mit einer astronomischen Mordrate. Mittlerweile ist das aber Vergangenheit und Medellin ist 2012 zur weltweit innovativsten Metropole der Welt aufgestiegen. Aufgrund der relativ stabilen Temperaturen zwischen 20-27 Grad nennt man sie die Stadt des ewigen Frühlings. Leider liegt mein Hotel direkt neben einem schrecklichen Vergnügungsviertel, welches auch für mich, wo ich doch in unmittelbarer Nachbarschaft zur Hamburger Reeperbahn aufgewachsen bin, relativ unterirdisch rüber kam! Dafür hatte ich eine wunderbare Nacht über den Dächern Medellins und habe gerade auf einer offenen Dachterrasse gefrühstückt. Jetzt sitze ich im Café Pergamino und trinke einen wunderbaren Café Tinto, kräftiger schwarzer Filterkaffee, so wie ich ihn am liebsten mag. Gleich gehe ich weiter auf Entdeckungsreise und werde weiterhin berichten. Ich hoffe euch gefällt es und ich konnte ein paar Eindrücke rüberbringen. Zum Schluss muss ich aber noch die unglaubliche Herzlichkeit und Lebenslust der Kolumbianer erwähnen. Die steckt an und verleiht mit ein fantastisches Gänsehautfeeling. Also dann hasta luego Amygas y Amigos!







 

Der 2. Tag. Jetleg- erst einmal an den kolumbianischen Rhythmus gewöhnen, immerhin 6 Stunden Zeitunterschied lässt sich nicht so einfach wegstecken. Also erst einmal einen Kaffee trinken. Da bietet es sich doch an den deutschen Kaffeeröster Nicolai in seinem Cafe und Rösterei in Medellin zu besuchen. DDC - "Desarrolladores de Cafe"; bedeutet: "Die Erfinder des Kaffees". Leider ist Nicolai zur Zeit in seiner Heimat - in Nürnberg - schlechtes Timing würde ich sagen. Gabriela, die dort als Barista arbeitet, versteht jedoch einiges in ihrem Fach und kredenzte mir einen leicht fruchtigen vollmundigen kolumbianischen Americano - himmlisch! Übrigens habe ich während meines Besuchs live mit Nicolai in Deutschland telefoniert. Röster halten eben zusammen. Er gab mir einige Tipps und Hinweise für meine Reise durch die Kaffeezone- danke Nicolai. Auf meinem heutigen Spaziergang durch Medellin, bei dem erhebliche Höhenmeter zu bewältigen waren, kam ich auch noch in einem Cafe vorbei im Stadtteil El Tesoro. Dabei zog mich eine Rancilio Espressomaschine auf einem Motorroller an. Es entpuppte sich dann doch als idyllisch gelegenes stationäres Cafe in den Bergen von Medellin an. Auch hier bestellte ich mir einen doppelten kräftigen schwarzen Kaffee. Einfach himmlisch im Ursprungsland den Kaffee zu genießen. Dazu muss man sagen das die Kaffeekultur in Kolumbien, wie auch im restlichen Südamerika noch in den Kinderschuhen steckt. Ich muss sagen, dass das Cafe von Adriana Gutierrez Ramirez es mir wirklich angetan hat. Obwohl die Chicas überaus charmant waren setzte ich meinen Weg fort. Dabei stieß ich auf ein Einkaufszentrum El Tesoro Shopping Park, sorry so etwas habe ich noch nie gesehen- ich einmal in den USA- einfach mächtig gewaltig aber nicht unsympathisch. Da gibt es einfach alles. Dabei ist mir aufgefallen wie kinderlieb die Kolumbianer sind. Von der Rutschbahn, Karussell Spielplätze alles was das Kinderherz höher schlagen lässt. Im Einkaufszentrun traf ich auf einen alten Bekannten, Juan Valdez Cafe, die kolumbianische Antwort auf Starbucks, mit dem einzigen Unterschied das der Kaffee einfach schmeckt. Juan Valdez ist aber noch mehr. Wie ihr euch ja vorstellen könnt machen im Kaffeegeschäft andere als die Erzeuger den großen Reibach. Die kolumbianischen Bauern muss man einfach bewundern- bisher konnten sie mit dem Anbau von Kaffee keine großen Gewinne erwirtschaften. Corona sei Dank das die Preise und damit auch die Erträge der Farmer gestiegen sind und sie dadurch nicht mehr gezwungen sind auf Kokain umzusteigen. Juan Valdez ist eine Kooperation von Kaffeebauern die den Kaffee nicht nur als Rohkaffee vertreiben sondern ihn auch im eigene Land verarbeiten - also rösten. Damit haben sie einen Schritt nach vorne gemacht.

Obwohl ich eine Menge Kaffee getrunken habe bin ich heute ganz schön geschafft - also bis manyana Amigas Amigos, hasta luego, euer Tom





3. Tag,

Sorry aber ich will hier nicht mehr weg. Wenn ich ehrlich bin - und das bin ich meistens - hat es mir in diesem Stadtteil El Poblado nicht so richtig gefallen. Gut das ich mir heute morgen den genauso mehr oder wenig englischsprachigen Jonny, Wachmann oder Consierge, geschnappt habe. Der hat mir nämlich auf Google Maps die Strecke zur Seilbahnstation San Javier im Stadtteil Las Estancias gezeigt. Ich habe mir ja bei meiner Ankunft ein Auto gemietet, welches nun seit 2 Tagen im Parkhaus stand, weil mich die draufgängerische Fahrweise der Kolumbianer ganz schön beeindruckt hatte. Dann besann ich mich jedoch. Wer in Berlin, Paris und sonst wo zurecht gekommen ist der kann es auch in Medellin. Eigentlich ist es ganz einfach- anpassen und aufpassen- auf sich und die anderen. Die Regeln sind fließend- wer auf sein Recht besteht hat schon verloren- das Leben, bzw. das Fahren kann so einfach sein.

Ich komme in eine Gegend die sich auch in Kuba, Argentinien, Peru oder eben in Medellin vorfinden lässt- das ist für Lateinamerika wie es leibt und lebt. Musik, 26 Grad, leichte Briese, Menschen die einen mit ihrer guten Laune, Herzlichkeit und Lebensfreude anstecken- sorry aber hier müssen sehr viele Menschen herkommen- bitte!!!! Wirklich die zaubern dir ein Lächeln aufs Gesicht - unglaublich! Praktisch vor der Station bekomme ich einen super Parkplatz gegenüber einer gut bewachten und bewaffneten Polizeistation - hallo was soll mir da noch passieren. Ticket gekauft und ab in eine Seilbahnkabine. Dort lerne ich Rob und Mattheus aus Florida kennen und ihren Medellin-Guide Andres www.medellinuniquetours.co, welchen ich gleich für nächsten Tag verhafte um mir eine Kaffeefarm in der Nähe von Medellin zu zeigen. Alle Insassen kommen nun bald nach Berlin in Toms Kaffeerösterei - dazu noch ein kolumbianisches Ehepaar. Der Mann hatte vor 12 Jahren in dieser Gegend gegen die FARC gekämpft - unglaublich jetzt ist Frieden und ich genieße die tolle Aussicht auf diese einzigartige Metropole. Wobei ich nicht verschweigen möchte, dass die Häuser bzw. Hütten alle mit Blechdächern versehen sind. Die Seilbahn ist extra für deren Bewohner gebaut worden, damit diese nicht vom öffentlichen Verkehr ausgeschlossen werden, denn zwischen diesen Hütten können keine Busse und auch keine Bahnen fahren - einfach genial und sehr sozial wie ich finde. Ich empfinde die Kolumbianer auch so, immerhin sind zur Zeit über 2 Millionen Flüchtlinge aus Venezueler im Land die auch irgendwie über die Runden kommen müssen. Und das in einem Land in dem viele einheimische auch sehr bedürftig sind.

Nachdem wir uns verabschiedet hatten ließ ich mich durch die Straßen treiben. Ich weiß jetzt was ein Granizado ist, ein Mangosaft mit Salz... schmeckt einfach klasse! Dann bekomme ich im Restaurant/ Bar Rigos von Gloria ein Mittagessen serviert, ich glaube für 3 €, wovon ich jetzt noch satt bin. Yuca, Kartoffeln, Fisch & Advocado.


Reis und eine Gemüsesuppe ein und dann wieder diese Herzlichkeit gratis- wie bei uns Lächeln gratis. Ich schlendere noch ein wenig durch die Gegend und buche mir spontan für die nächsten Tage ein Zimmer im Hotel Laureles Plaza im gleichnamigen Stadtteil El Laureles. Dort werde ich die Rösterei Al Alma besuchen. An dem Stadtteil gefallen mir besonders die großen tropischen Bäume und die coolen sehr offenen Restaurants, Kaffees und vieles mehr. Und natürlich wieder die Menschen. Kaffee habe ich natürlich auch getrunken - in der Panaderia Santa Lena. Dort bekam ich meinen schwarzen Americano in einer edlen feinen Porzellantasse genossen und saß in einem wunderschönen und bequemen Plüschsessel - sorry aber wenn wenn die nicht irgendwann geschlossen hätten, dann würde ich dort noch immer sitzen. Die Rückfahrt in mein Hotel inklusive Latino-Popmusik war der reinste Spass - ich freu mich auf morgen - ich hoffe ihr seid auch wieder dabei- also adios Amigas y Amigos, euer El Tom.




4. Tag

Endlich checke ich aus dem Hotel Diez aus und treffe mich gleich mit Andres dem Guide, welchen ich am Vortag in der Gondelbahn zufällig getroffen habe- und er ist pünktlich. Wie verabredet fährt er vor und hinterher- kampferprobt wie ich bin klebe ich an seiner Stoßstange. Nach einer relativ langen Tunneldurchfahrt kommen wir wieder ans Tageslicht. Wir werden von einer wunderschönen Berglandschaft empfangen.


Wir landen auf der kleinen Kaffeefarm von Carlos Arreros. Vor Ort warten schon eine Gruppe aus Spanien und Panama auf uns. Ich stelle mich als allemanischen Toastador de Cafe aus Berlino vor- alle lachen- läuft! Obwohl ich nur gering der spanischen Sprache mächtig bin verstehe ich natürlich fast alles was er erzählt. Das der Kaffee aus Kolumbien natürlich der allerbeste Kaffee der Welt ist- ist doch klar. Meine Zustimmung hat er. Wir sind hier auf einer Höhe von 1800m. Je höher der Kaffee wächst, desto größer die Bohne und mehr Aroma- ist doch klar- warum? Etwas paradox ist es schon aber weil der Kaffee in dieser Höhe der Sonnenstrahlung im verstärkten Maße ausgesetzt ist werden schatten spendende Pflanzen wie Bananen zwischen die Kaffeesträucher gesetzt. Somit wird die Wachstumsphase gebremst. Auf dieser Höhe können natürlich auch keine Maschinen mehr eingesetzt werden. Auch kann nur zweimal im Jahr geerntet werden. In Brasilien, wo der Kaffee auf 400-700m angebaut wird, wird bis 4 mal im Jahr geerntet und alles läuft nur noch maschinell. Also ich lieb den kolumbianischen Kaffee- erst ist unverwechselbar aromatisch, mit leicht fruchtigen nussigen und schokoladigen Geschmacksaromen- einfach himmlisch. Natürlich erzählt Mattheus auch von den einzelnen Prozessen der Verarbeitung. Es werden nur reife rote Kaffeekirschen geerntet, vom Fruchtfleisch befreit, dann von der Pulpe, einer der Kaffeebohne umgebene Pergamentschicht, und der Trockenphase. da die Kaffeebauern in den letzten Jahren jedoch unter dem niedrigen Rohkaffeepreises gelitten haben, haben sie aus der Not weitere Aufbereitungsarten entwickelt- dazu kommen wir später noch.

Natürlich haben wir den Kaffee dann auch verkostet und zwar wurde der Kaffee mit einer Bodum Kanne, French Press oder wie unsere Zehlendorfer Kunden sagen, Tom ein Pfund Zehlendorfer Mischung, obwohl die Sorte Zehlendorfer Röstung heißt, aber egal, mit der Presskanne zubereitet und bitte auf 8 gemahlen!

Nach meiner Meinung eigentlich die beste Zubereitungsart, weil mit dieser Variante die Geschmacksaromen am besten zur Geltung kommen. Übrigens wird im weitesten Sinne Kaffee auch auf diese Art und Weise verkostet- gecuppt, wie der Fachmann sagt. Dann wurde uns noch ein traditionelles kolumbianische Gericht in Palmenblättern gegart, serviert, Reis, Yucca, Bananen und Kartoffeln- lecker und genau das richtige zum Abschluss und auch gut für meine Figur. Insgesamt eine Runde Sache- unbedingt zu empfehlen. So das war es für heute- denkste. Mein absoluter Höhepunkt- blutdruckmäßig, kam noch. Nachdem ich im Stadtteil Laureles in meinem für die nächsten zwei Tage gebuchten Hotel eingecheckt hatte machte ich mich noch auf meine abendliche Joggingrunde. Dabei habe ich mich doch glatt verlaufen. Aber hier in Kolumbien gibt es kein Problem welches nicht gelöst werden kann- darin sind die Colombianos Weltmeister. Irgendwann konnte ich nicht mehr und stoppte einfach ein Taxi. Da er weder Deutsch, Englisch noch mein Kauderwelsch von Spanisch verstand tippte ich einfach den Hotelnamen in sein Smartphone und zwei Minutus später stand ich unter der Dusche- alles kein Problem- comprende Amigo- hasta luego mi Amigas y Amigos, euer Tom.



5. Tag

Nach dem Frühstück mache ich auf den Weg zur Metrostation Estadio der Line B. Hier ist Bargeld Trumpf. Eine Fahrt kostet so um die 80ct und man bekommt eine Plastikkarte und kann soviel Fahrten dazu buchen wie man möchte. Solange man die Station durch ein Drehkreuz nicht verlässt wird nur eine Fahrt abgebucht. Ich fahre nur ein paar Stationen zur Station Plaza Botero wo die weltberühmten Skulpturen des Künstlers Fernando Botero stehen. Dort warten natürlich alle möglichen Souvenir Kleinhändler wie an jedem Platz der Welt auf Kundschaft. Das ganze verwirrt mich und ich ziehe es vor noch ein wenig mit der Metro zu fahren.



Auf meiner Strecke entdecke ich wieder die Station San Javier, an der ich vorgestern mit der Gondelbahn über den Slums der Stadt geschwebt bin. Dort kehre ich wieder in meinem neuen Lieblingsrestaurant Rigos ein und bestellte bei Gloria, die mich natürlich gleich freudestrahlend begrüßt das Tagesgericht. Heute gibt es Hähnchen was Spanisch Pollio heißt, Reis, Kartoffeln und Salat- davor natürlich noch eine schöne Suppe- alles wie bei Muttern für knappe 3€. Dazu noch eine Jugo- ausgesprochen wie Hugo, ein frisch gepresster Fruchtsaft- ich habe mich für meine Lieblingsfrucht Papaya entschieden. Das ich geplatzt bin wundert mich noch heute. Ich verabschiedete mich von Gloria und versicherte ich das wir uns bald wiedersehen werden. Auf dem Weg zur Metro ließ ich mir noch schnell die Haare schneiden. Alexandro musste wohl extra für mich seine Siesta unterbrechen- jedenfalls wurde ihm hinterhertelefoniert. Ich tippte in meinen Google Übersetzer auf deutsch das ich es nicht so kurz geschnitten haben möchte aber so da ich wieder wie ein ordentlicher Mensch aussehen möchte. Claro, meinte er lachend und machte sich mit einer Leidenschaft an Werk, was mich echt beeindruckte um mir dann für die halbe Stunde 2,50€ in Rechnung zu stellen- sagenhaft mit was für einer Hingabe der seinen Job macht- als ich ihm dann noch einmal die gleiche Summe Trinkgeld gebe sind wir beide glücklich- das Leben kann so leicht sein. Schnell noch bei der Früchtehändlerin meines Vertrauens vorbei und Papaya, Ananas und Maracuja fürs Abendessen kaufen und ein paar Stationen, zu meinem Ausgangspunkt. Ich fühle mich hier schon heimisch- einfach die Carrera 73 bis zur Calle 40 und schon bin ich in meinem Hotel. Da fällt mir ein das ich ja ein paar Tage zuvor die Kaffeerösterei Al Alma in der Gegend entdeckt hatte. Also nahm ich meinen Laptop unter dem Arm und machte mich, immer dem Geruch nach, zu der besagten Rösterei/Cafe. Dort fühlte ich mich sofort heimisch. Der Geruch nach frisch gerösteten Kaffee ist einfach verführerisch und einladend. Das tolle auch an unserem Laden in Berlin Zehlendorf am U Bahnhof Onkel Toms Hütte ist das eigentlich alles was es dort zu kaufen gibt auch noch sehr dekorativ ist. Das herz der Rösterei ist natürlich der Röster, die Röstmaschine. Fast täglich drücken sich die Kinder an unserem Schaufenster die Nasen platt und betrachten die Maschine, die aussieht wie eine Dampfmaschine. Sie regt einfach die Phantasie an.





Dann die Kaffeesäcke aus Jute- aus fernen Ländern über die Weltmeere transportiert. Die Kaffeetonnen in den der frisch geröstete Bohnenkaffee zwischen gelagert wird. Die verschieden Utensilien für die Zubereitung wie italienische Herdkannen, French Press, Porzellan Filter und ganz spezielle japanische von Hario. Alte Handkaffeemühlen wecken bei uns allen ganz heimliche Erinnerung wach. Kurzum- hier könnte ich ewig sitzen bleiben. Ich glaube ich brauche es nicht zu erwähnen aber der Kaffee den ich getrunken habe, war der beste den ich bisher in Kolumbien getrunken habe. Wie bei uns, immer frisch geröstet und frisch gemahlen- nur vom besten. Aber das ist nicht alles. das wichtigste ist die Zubereitung und die absolute Sauberkeit der Maschine. Ich kann den besten Kaffee zur Verfügung haben, das beste Equipment wenn die Maschine nicht jeden Tag penetrant gereinigt und gepflegt wird, dann ist alles für die Katz. Sorry ist musste mich auch eines besseren belehren lassen. Als ich vor ein paar Jahren meinen heute leitenden Angestellten Nicolai einstellte, wunderte ich mich gleich das er genauso leidenschaftlich wie Alexandro der Friseur in Kolumbien, die Maschine mindesten so eine halbe Stunde putzte und wienerte. Sorry meinte ich, sach mal tut das not? Immerhin muss ich das bezahlen. Ja meinte er, das wäre das wichtigste. Wenn die Maschine nicht gründlich gereinigt wird dann schlägt sich das unmittelbar auf den Geschmack des Kaffees nieder- Er wird dann bitter und ranzig. Als ich nach ein paar Monaten merkte wie der Umsatz bei unseren Kaffeegetränken nach oben schnellte, wusste ich das er Recht hatte. Das schöne ist das er das immer wieder an unsere neuen Mitarbeiter weitergibt und diese dann eine ähnliche Leidenschaft dafür entwickelt habe. Und wehe da fängt jemand an zu schludern- das fällt sofort auf und dann gib es Mecker vom Meister!

Ich bin der letzte Gast und geh glücklich in mein Hotel und schreibe noch schnell meinen Blog zu ende. Ich bin ganz schön geschafft und freue mich aber schon auf morgen. Buenos notches Amigas und Amigos euer Tom.


Tag 6.

Nach dem Frühstück heißt es mir einem lachenden und einem weinenden Auge Abschied aus der Stadt des ewigen Frühlings, Medellin, zu nehmen. Trotzdem freue ich mich auf land und Leute auf meiner Tour in den Süden von Kolumbien, in die Nähe von Manziales. Dort habe ich ein Hotelzimmer auf einer Kaffeefarm, der Hacienda Venecia gebucht. 200km liegen vor mir. Das Navi zeigt knappe 5 Stunden an. Wie sich herausstellt werden es 7 Stunden. In Kolumbien lerne ich, Geduld zu haben. Ein Glück überkommt mich schon nach 2 Stunden der Hunger. ich mache an einer Suppenküche auf 1500m halt- direkt am Abhang. Futtern wie bei Muttern ist angesagt- köstlich! Der Wirtin macht es sich Spa? mir beim Futtern zuzugucken und es ist wie immer lustig- auch die andern Gäste sind die ganze Zeit am Schmunzeln- wahrscheinlich ist der Grund mein nicht perfektes Spanisch- bzw. die kleine Brocken, wie Comida (Hunger) Jugo de Pinia (Anasaft Nektar) oder me gustaria pagare( könnte ich bitte zahlen). dabei hilft mir natürlich das google Übersetzungsprogramm.


Wie gesagt in Kolumbien braucht man auf jeden Fall Geduld, Geduld und nochmals Geduld. Immerhin befinde ich mich auf der Hauptstrecke zwischen Medellin und Bogota, trotzdem geht es nur im Schneckentempo voran. auf einer Stecke von ca 50km wird permanent gebaut. Manchmal dürfen wir fahren manchmal der Gegenverkehr- ein System ist nicht zu erkennen. Gott gebe mir Gelassenheit Dinge hinzunehmen die nicht ändern kann und Dinge zu ändern die ändern kann und die Weisheit das eine vom anderen zu unterscheiden. Am Straßenrand versorge ich mich mit Papaya, Ananas und Mango und Mandarinen. Insgesamt so um die 5 kg- sorry ich glaube das hat noch nicht einmal einen Euro gekostet. Als ich zum Auto gehen will kommt ein Colombiano hinter mir her und will irgend etwas verklickern- ich gebe ihm zu verstehen- no entiendo- no comprende Senior. Ich fahre eine Weile bis bei mir der Groschen fällt. Ich hatte sozusagen an einem Doppelstand eingekauft und irgendwie wurde mir jetzt klar das ich bei dem eine Händler alle möglichen Früchte kaufte und eine Mango an Stand daneben- war mir aber gar nicht so richtig bewusst. Also kehrte ich noch einmal um und gab dem Colombino sein Geld und kaufte gleich noch ein paar weitere Früchte- hoffentlich bekomme ich keinen Vitaminnschock. Jedenfalls haben wir beide wieder herzlich gelacht und mein Gewissen war wieder weiß wie Schnee. Irgendwann ging es dann auch schneller voran und ehe ich mich versah bellte es aus meinem Navi rechts abbiegen- sorry da ist ein Feldweg!? Nachdem ich diesen Hinweis ignorierte kam der gleiche Spruch noch einmal einen Kilometer weiter. Diesmal befolgte ich ihn. Ok, ich komme ja vom Land aber solche Wege gibt es dort schon lange nicht mehr. dann fängt es auch noch richtig an zu schütten. Irgendwie komme ich dann aber an. Eine tolle Finca baut sich vor mir auf- eigentlich noch schöner als ich erwartet hatte. Ich werde herzlich und unkompliziert empfangen. Das Zimmer ist noch in einem separaten Gebäude- im gleichen Stil. Eine schöne Veranda in Rot mit Hängematten einer großen offenen Küche, einer Launch und einem langen Flur mit grünen tropischen Palmen. In meinem Zimmer das den Namen einer brasilianischen Kaffee Marke Guaxupe benannt ist die Verandatür weit geöffnet und präsentiert mir einen Blick in ins grüne Hochland- einfach wie gemalt und grandios.



7. Tag

Ich habe eine wundervolle Nacht gehabt- praktisch im Urwald- ehrlich ich habe vor eine paar Monaten den Film von Alexander Von Humboldt gesehen, die Vermessung der Welt und Humboldt und die Neuentdeckung der Welt und ich habe von seinen Reisen durch Südamerika geträumt. Das Bild welches ich ich sehe wenn ich auf meiner Hotelzimmer Terrasse blicke inspiriert mich. Humboldt, ein waschechter Berliner, ist für mich eine absolute Granate. Er hat von 1769-1859 gelebt und hat schon zu seiner Zeit die Umweltzerstörung und sogar den Klimawandel festgestellt. Er hatte echt Ahnung- in seiner Schaffenszeit hat er darüber alles erforscht aufgeschrieben und ausgewertet- das war kein Wischiwaschi. Er war leidenschaftlicher Anhänger der Vereinigten Staaten von Amerika und besuchte nach seiner Südamerikanischen Forschungsreise 1799-1804 den damaligen amerikanischen Präsidenten im noch im Rohbau befindlichen Weißen Haus- Hallo?! Der war wiederum begeisterter Humboldt Fan. Trotzdem prangerte er bei seinem Besuch die Sklaverei und die Abholzung der Wälder für den Eisenbahnbau und die Gewinnung von Kohle und Erz, an. In Wikepedia steht dazu:

„Ohne Zweifel ist die Sklaverei das größte aller Übel, welche die Menschheit gepeinigt haben, sei es, dass man den Sklaven betrachtet, wie er seiner Familie in der Heimat entrissen und in die Schiffsräume eines für den Negerhandel zugerichteten Fahrzeugs geworfen wird, oder dass man ihn als einen Teil der Herde schwarzer Menschen, die auf dem Boden der Antillen zusammengefercht wird, betrachtet.

Da ich mich ja auf der Hacienda Venecia, einer Kaffeefarm im kolumbianischen Hochland (1400m) befinde und ich Kaffeeröster bin, ist unser Thema heute also Kaffeeanbau und Aufbereitung. Es gibt 124 Wild Kaffee Arten. Kultiviert und die heute bekanntesten sind die Arabica und die Robusta Pflanze und deren verschiedene Sorten und Varitiäten.